15.06.2020

Schlank, leicht und matt glänzend: Dessy

Der Nellmersbacher Blechbearbeitungsspezialist H.P. Kaysser hat während Corona und Kurzarbeit ein neues Geschäftsfeld entdeckt.

Winnender Zeitung · 10.06.2020

1,60 Meter hoch, schlank und matt glänzend ist Dessy. Schwäbische Wertarbeit, das ist dem Betrachter sofort klar. Aber doch aus der Not heraus geboren wurde die Edelstahlsäule mit Desinfektionsmittelspender. Seit Mai gibt es auch beim Blechbearbeitungsspezialisten Kaysser in Nellmersbach Kurzarbeit. Der Betrieb schließt komplett ganze Tage über, überwiegend freitags. In der Zeit kam eine Idee auf, wie man mit der auf einmal freien Kapazität in der Coronazeit etwas Sinnvolles anfangen könnte. Die allerorten nachgefragten Desinfektionsmittelspender haben nämlich lange Lieferfristen. Die Hersteller kommen dem Bedarf kaum hinterher. Bei Kaysser entstand ein Geschäftsfeld, das wohl nicht nur vorübergehend ist, wenn es nach Vertriebsleiter Frank Niedermaier geht.

Der Anstoß kam von der Frau des Vertriebsleiters, einer Lehrerin

Die Firma sei ja seit Wochen nicht gerade mit Arbeit gesegnet, sprich ausgelastet, die Aufträge von Kunden rückläufig, berichtet er. Genau in der Zeit passierte bei Niedermaier daheim etwas. Seine Frau, Lehrerin in Backnang, musste da, in der Anfangszeit der Öffnung, die Schüler bei der Pausenaufsicht dauernd ermahnen, den notwendigen Hygienesicherheitsabstand einzuhalten, aber auch wahrnehmen, dass die bereitgestellten Desinfektionsmittelspender nicht gerade das Wahre seien. Zu Hause meinte sie zum Gatten, das könnten sie, in seiner Firma, doch wohl besser. Er verstand das nicht als Frage, sondern als Auftrag.

Mobil sollte es sein, leicht und mit möglichst wenig Stellfläche

Beim Chef stieß er auf offene Ohren damit, bekam ein „Ja, macht mal“ als Okay. Die Vorgabe lautete: Das Ding soll mobil sein, immer wieder dorthin umzustellen sein, wo es gerade gebraucht wird und an möglichst unterschiedlichen Stellen, auch dort, wo nur wenig Platz zur Verfügung steht. Mobil heißt also möglichst wenig Stellfläche und möglichst wenig Gewicht. Kai Klenk, Chefentwickler bei Kaysser, machte sich ans Werk, entwarf Dessy an einem Tag, und das war auch noch ein Feiertag. Aus Edelstahl und damit aseptisch, keimfrei. Aber eben auch wertig, haltbar, beständig. Womit wieder einmal die Schnelligkeit des Mittelstands im Vergleich zu Großkonzernen unter Beweis gestellt wäre, betont Niedermaier. Weil es von der Idee bis zum ersten Prototyp keine zwei Wochen gebraucht hat. Dessy braucht nur 55 auf 35 Zentimeter und wiegt gerade mal zehn Kilo.

Redakteur: Uwe Speiser
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